Gute Nachrichten aus Wolfsburg: Einer Meldung des NDR zufolge will die Stadt das umstrittene Projekt „Schutzranzen“ vorerst aussetzen. Grund hierfür sind offenbar Datenschutzbedenken.
Die Städte Wolfsburg und Ludwigsburg hatten in Kooperation mit Volkswagen eine Überwachungsinfrastruktur für Grundschulkinder geplant, die deren Verkehrssicherheit dienen sollte. Autofahrer sollten über eine App gewarnt werden, sobald sie in die Nähe eines Kindes kämen, das den GPS-Peilsender im Rucksack trägt. Der Verein Digitalcourage hatte am Montag in einem offenen Brief das sofortige Ende des Projekts gefordert und den „Schutzranzen“ so in die mediale Öffentlichkeit gebracht.
Digitalcourage hatte unter anderem kritisiert, „dass alle Kinder von Straßenbeleuchtung, Schülerlotsen, verkehrsberuhigten Bereichen, Geländern und breiten Gehwegen profitieren“, während „nur getrackte Kinder, die ihren ‚Schutzranzen’ auch wirklich bei sich tragen und auf ein entsprechend ausgestattetes Auto treffen“, eine Warnung auslösen würden. Verkehrssicherheit sei somit eher ein Vorwand, das Projekt diene eher dem Datensammeln und der Kundenbindung an den Projektpartner VW.
Kritik der Datenschützer fruchtet
Vor allem das Argument des Datenschutzes konnte letztlich überzeugen: Schon im normalen Betrieb würden Daten mit Dritten geteilt. Im Falle eines Hacks könnten aktuelle Standortdaten zudem zur echten Gefahr für die Grundschulkinder werden. Ein Sprecher der Stadt Wolfsburg gab bekannt:
Da es im Rahmen von Schutzranzen noch Klärungs- und Kommunikationsbedarf gibt, haben wir als Stadt den Schulleitungen und dem Anbieter empfohlen, den Start des Projektes entsprechend auszusetzen.
Auch wenn es wohl zu früh ist, von einem definitiven Ende des Überwachungsprojekts zu sprechen, demonstriert das Beispiel, dass eine kritische Öffentlichkeit Wirkung zeigt.
